Ambivalent
Ambivalent bewegt sich an der Schnittstelle von Malerei und Performance. Jedes Werk zeigt einen lebensgroßen Boxsack, in Acryl auf Aluminium gemalt. Die Malerei ist nicht der Endpunkt, sondern Ausgangslage. Erst durch körperliche Handlung wird das Werk vollständig. Der Schlag ist keine nachträgliche Beschädigung, sondern konstitutiver Bestandteil des Werks. Pinselstrich und Einschlag werden zu gleichwertigen bildnerischen Mitteln. Die Grenze zwischen Darstellung und Handlung beginnt sich aufzulösen.
Im Zentrum der Serie steht die Ambivalenz von Angriff und Verteidigung. Dieselbe Bewegung kann als Gewalt oder als Selbstschutz gelesen werden, als Aggression oder als Disziplin. Die Arbeiten formulieren dazu keine eindeutige Position. Sie eröffnen vielmehr einen Raum, in dem sich diese Bedeutungen überlagern und ständig neu verhandelt werden.
Jedes Werk besitzt dabei eine eigene Biografie. Manche Arbeiten entstehen durch die Hand des Künstlers selbst. Andere entwickeln sich während der Ausstellung, wenn Besucherinnen und Besucher eingeladen sind, Spuren auf der Oberfläche zu hinterlassen. Wieder andere erhalten ihren letzten Eingriff erst im Moment des Erwerbs, wenn die Sammlerin oder der Sammler entscheidet, selbst Teil des Werks zu werden.
Ebenso kann die Geste einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens den Kontext der Arbeit grundlegend verändern. Die physische Spur bleibt zwar dieselbe, doch ihre kulturelle, soziale und ökonomische Bedeutung verschiebt sich mit der Identität der Person, die sie hinterlassen hat.
So wird jedes Werk zu einem einzigartigen Träger von Entscheidungen, Handlungen und Zuschreibungen. Es dokumentiert nicht allein eine physische Einwirkung, sondern auch die Bedingungen, unter denen sie entstanden ist. Autorschaft wird dabei nicht aufgegeben, sondern erweitert. Die Malerei definiert den Rahmen, die Performance schreibt ihre Geschichte fort.
Die Serie ist eng mit Christian Manss’ jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit den Kampfkünsten verbunden. Kampf erscheint hier weder als Spektakel noch als Verherrlichung von Gewalt. Er wird als kulturelle Praxis verstanden, in der sich Disziplin, Kontrolle, Verletzlichkeit und Macht untrennbar miteinander verbinden. Ambivalent macht diese Spannung sichtbar – nicht als Behauptung, sondern als Erfahrung.
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Ambivalent moves at the intersection of painting and performance. Each artwork depicts a life-sized punching bag, painted in acrylic on aluminum. However, the painting is not the final result, but the starting point. Only through physical action does the work become complete. The impact is not a subsequent damage, but a constitutive element of the artwork. Brushstroke and impact become equivalent artistic means; the boundary between representation and action begins to dissolve.
At the core of the series lies the ambivalence between attack and defense. The same movement can be read as violence or self-defense, as aggression or discipline. The works do not formulate a clear position on this matter. Instead, they open up a space where these meanings overlap and are constantly renegotiated.
Each piece possesses its own biography. Some works are created by the hands of the artist himself. Others evolve during an exhibition when visitors are invited to leave their marks on the surface. Still others receive their final intervention at the moment of acquisition, when the collector decides to become part of the work themselves. Likewise, a gesture by a public figure can fundamentally alter the context of the piece. While the physical trace remains the same, its cultural, social, and economic meaning shifts along with the identity of the person who left it.
In this way, each work becomes a unique repository of decisions, actions, and attributions. It documents not only a physical impact, but also the conditions under which it occurred. Authorship is not abandoned here, but expanded. The painting defines the framework; the performance continues to write its story.
The series is closely tied to Christian Manss’s decades-long engagement with martial arts. Here, combat appears neither as a spectacle nor as a glorification of violence. It is understood as a cultural practice in which discipline, control, vulnerability, and power are inextricably linked. Ambivalent makes this tension visible—not as an assertion, but as an experience.



